St. Marien Basel

Erweis begründeter Hoffnung für die Welt

Am 8. Dezember feiern wir die Patronin unserer Kirche: Maria, die ohne Erbschuld empfangene Jungfrau und Gottesmutter. Die 1854 von Papst Pius IX. dogmatisierte Glaubenswahrheit scheint dem modernen Menschen fremd, erinnert ihn an ein Museum, das alte Dinge aufbewahrt, die vielleicht schön, aber für die Menschen heute unbedeutend sind. Aber was feiern wir denn eigentlich?

Bitte kein Missverständnis: Wir feiern nicht die Jungfräulichkeit Marias in der Empfängnis Jesu. Dieses Fest begehen wir am 25. März, neun Monate vor Weihnachten! Wir feiern am 8. Dez. die natürliche Empfängnis Marias nach einem natürlichen Zeugungsakt ihrer Eltern Joachim und Anna. Das apokryphe Jakobusevangelium berichtet zur Vorgeschichte der Geburt Marias einiges (siehe die Deckengemälde der Krypta des Basler Münsters). Die Quintessenz: Bei der Geburt Marias hat Gott die Hand im Spiel. Er hat Maria von allem Anfang an auf ihre einmalige Lebens-frage und -aufgabe vorbereitet. In einem freien Akt kann sie entscheiden, ob sie die „Mutter Gottes“ werden will oder nicht. Um eine freie Antwort geben zu können, hat er sie „für das Böse unsichtbar“ gemacht. Sie ist von dem ausgenommen, was wir alle mehr oder weniger kennen: Der unfreie Hang, Dinge zu tun, die wir eigentlich gar nicht wollen und anschliessend bereuen. Ja leider: Erbsünde gibt es! Gerade in unserer Geschichte der Neuzeit sichtbar: von den Greueltaten der Weltkriege bis zur Atombombe, vom Holocaust bis zu ethnischen „Säuberungen“ unserer Tage. In einer von Schuld und Sünde geprägten Welt ist Maria die göttliche Antwort auf die menschliche Sehnsucht nach Unschuld und Reinheit. Es gibt Maria. Nicht als An­spruch – sondern als erlöste Wirklichkeit, als Erweis begründeter Hoffnung. Der uns alle „unbefleckt“ macht, ist da. Mit Maria werden auch wir es heute schaffen, IHN bei uns einzulassen!

Pfarrer Markus Brun