St. Marien Basel

Eine Frage der Perspektive

Im Rahmen unserer Firmreise nach Rom war geplant, nach der Papstaudienz auf dem Petersplatz die Kuppel des Doms zu besteigen. Geduldig mussten wir Schlange stehen. Mit täglich durchschnittlich 20‘000 Besuchern gehört die Basilika zu den meistbesuchten Orten der Welt. Die Kuppel hat einen Durchmesser von 42 m. 550 Stufen führen hinauf in das größte freitragende Ziegelbauwerk der Welt. Wir standen zuerst auf der inneren Plattform und sahen hinunter in das Innere der Kirche. Die Menschen glichen einem Haufen Ameisen. Das sonst Grosse schien von hier aus so klein, während vor uns in riesen Lettern der überlieferte Auftrag Jesu an Petrus zu lesen war: Tu es Petrus et super hanc petram aedificabo ecclesiam meam et tibi dabo claves regni caelorum (Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und Dir werde ich die Schlüssel zum Himmelreich geben.). Wie ich mein Leben anschaue ist oft eine Frage der Perspektive: Schaue ich von oben herab, kann ich nur noch klein, un differenziert und verschwommen wahrnehmen, was das Leben „unten“ ausmacht. Das Einzigartige, Wertvolle und Schöne bleiben meinem Auge nicht mehr zugänglich. Blicke ich geradeaus, versuche auf Augenhöhe wahrzunehmen und zu verstehen, kann ich zur Erkenntnis kommen, wie es auch dem Petrus ergangen ist. Schaue ich oben über mich hinaus, dann verflüchtigt sich mein Blick in das Unendliche, mir (noch) nicht Zugängliche, wohl aber darf ich mich beschützt wissen, gehalten und getragen von der Zusage Jesu. Die 550 Stufen liessen uns, nachdem wir den herrlichen Blick über die Dächer von Rom genossen, wieder zurückkehren und den Platz einnehmen, der uns Menschen gleichermassen zusteht, nämlich ein Kind Gottes zu sein, aus welcher Perspektive auch immer.                                                  

                                   Angelika Löhrer, Pastoralassistentin